01. März 2012

  

Zwei Schulen betreten gemeinsam Neuland

 

Schulleiterin Silke Ilemann über die Einführung des "gemeinsamen Unterrichts" in Blomberg

VON MARIANNE SCHWARZER

 

Vor dem Umbruch. | Foto: Schwarzer

 

Blomberg. Ab August bietet die Grundschule am Weinberg in Kooperation mit der Pestalozzischule "gemeinsamen Unterricht" an. Die LZ sprach mit Silke Ilemann, Leiterin der Förderschule.

 

Bereits in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses hatte Schulrat Wilfried Starke den weiten Weg zur Inklusion aufgezeigt. Der "gemeinsame Unterricht" von Kindern mit und ohne Förderbedarf sei nur ein Schritt in diese Richtung gesellschaftlichen Miteinanders, hatte Starke gesagt.

 

Frau Ilemann, Sie sind schon seit 1979 in der Sonderpädagogik tätig. Wie stehen Sie überhaupt persönlich zum Thema Inklusion?

 

Silke Ilemann: Ich finde es richtig. Denn wenn man immer mehr separiert, findet man immer mehr Schubladen, in die man Kinder stecken kann. Es ist gut, jeden mit seinen individuellen Fähigkeiten zu fördern. Im Kindergarten geht das ja beispielsweise auch.

 

Glauben Sie, dass Förderschulen irgendwann wirklich überflüssig sein werden?

 

Ilemann: Ich glaube nicht, dass das zu 100 Prozent gelingen wird. Und es ist auch nicht richtig, alles zu zerschlagen. Der Prozess, vor dem wir stehen, wird sicher 20 Jahre dauern, und es wird gut sein, ein intaktes System beizubehalten, auf das man zurückgreifen kann.

 

Wenn nun Kinder mit und ohne Förderbedarf in einer gemeinsamen Klasse unterrichtet werden sollen, wie stelle ich mir das praktisch vor?

 

 

Info

Gemeinsamer Unterricht

 

Das Konzept des "gemeinsamen Unterrichts" sieht vor, dass Kinder mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf in einer allgemeinen Schule unterrichtet werden. Hierzu erhält die Lehrkraft der allgemeinen Schule Unterstützung durch eine Lehrkraft für Sonderpädagogik. Beide erstellen gemeinsam einen individuellen Förderplan für die Schüler. Sie unterrichten zeitweise zusammen in der Klasse und überprüfen regelmäßig die Lernfortschritte.

 

Ilemann: Es sollten dauerhaft zwei Lehrkräfte anwesend sein, davon eine sonderpädagogische Kraft. Sie soll den Kindern Hilfestellung beim ganz normalen Unterricht geben, kümmert sich aber auch insgesamt um die Klasse. Die beiden Lehrkräfte müssen eng im Team zusammenarbeiten.

 

Das heißt also, man hat wie beim jahrgangsübergreifenden Unterricht in einer Klasse Kinder mit ganz unterschiedlichen Leistungsständen und persönlichen Bedürfnissen. Das muss doch eine ungeheure Umstellung für die Lehrer in der Regelschule sein.

 

Ilemann: Ja, denn in den allgemeinen Schulen hat man sich bis jetzt immer am Mittelstrang orientiert. Jetzt müssen sich die Lehrer, aber auch die Eltern umstellen. Es geht darum, dass jedes Kind individuelle Stärken und Schwächen hat, und die gilt es zu erkennen. Es ist nicht damit getan, die Kinder mit Förderbedarf in einer kleinen Gruppe zusammenzuhalten. Es geht um echte Teilhabe.

 

Der Weg, den Sie nun mit der Grundschule beschreiten werden, ist ja Neuland für beide Seiten. Wie kriegen Sie das reibungslos hin?

 

Ilemann: Wir wussten ja, dass das auf uns zukommt und haben uns sehr frühzeitig zusammengesetzt. Natürlich können Sie so eine Zusammenarbeit auch nicht diktieren, die betroffenen Kollegen müssen offen dafür sein. Wir haben junge, engagierte Kollegen, die das gern machen. Hier wachsen zwei Schulen zusammen, da muss natürlich auch der Schulträger mit ins Boot kommen.

 

Wo muss der Schulträger seine Unterstützung einbringen?

 

Ilemann: Das geht schon bei den Lernmitteln los, da brauchen wir natürlich vollkommen anderes Material. Das Land Nordrhein-Westfalen hat beschlossen, den hohen Standard beizubehalten. Eines ist mal ganz klar: Die Sache wird nicht billiger, und das darf auch nicht sein.

 

Noch mal zurück zur Praxis: Wenn ich das richtig verstehe, leihen Sie Ihre Kollegen quasi an die Weinbergschule aus.

 

Ilemann: Das ist der Plan. Die Kollegen werden teilweise hier und teilweise am Weinberg unterrichten. Uns kommt entgegen, dass nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer kurze Wege haben.

 

Nun gibt es ja noch wenig konkrete Vorgaben, das heißt, die Beteiligten springen ins kalte Wasser. Das muss doch für Sie als Schulleiterin auch ganz schön schwierig sein.

 

Ilemann: Wir Schulleiter sind die Mittler: Auf der einen Seite geht es darum, die Vorgaben der Schulaufsicht zu erfüllen, auf der anderen Seite um die praktische Ausführung. Wir machen uns ganz behutsam gemeinsam auf den Weg.

 

Das ist aber neben all der anderen Arbeit auch eine ganz schöne Belastung, oder?

 

Ilemann: Ja, aber das lohnt sich. Es ist einfach sehr wichtig, dass es einen guten Start gibt.

 

 

 

http://www.lz.de/home/nachrichten_aus_lippe/blomberg/blomberg/6241174_Zwei_Schulen_betreten_gemeinsam_Neuland.html [Stand: 01.03.2012].

   

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